Verdammt - der Anker komm nicht hoch!

Während der Urlaubszeit kann es immer wieder zu kleine bis größeren Troubles kommen, bei der unserer Mitglieder die Nummer des Clubtelefons wählen und um Rat fragen. Ob es ein Motorgebrechen ist, oder ein anderes technisches Problem, unsere Troubleshooter zu Hause können in den meisten Fällen mit Rat zur Seite stehen.

So erreichte uns am 23 Juli ein Anruf eines genervten Skippers der bei einem Ankermanöver ein Seekabel gefangen hatte. Beim Lichten des Ankers zog er den Anker fest unter das Kabel. Die Yacht war somit fest. Ein Tauchgang, ohne Presslufttauchgerät, war auf Grund der Wassertiefe nicht möglich. In seiner Not versuchte der Schiffsführer mit dem Zweitanker das Seekabel anzuheben und zu stabilisieren, um im Anschluss daran durch, fieren der Kette, den Hauptankers freizubekommen. Leider funktionierte seine Idee nicht, weil keine Tripleine am Kreuz (Krone) des Zweitankers befestigt wurde. Somit war auch der zweite Anker im Seekabel.

Jetzt war es soweit! Unser Skipper griff zum Handy und wählte die Hotline. Nach der genauen Schilderung des Ist-Zustandes konnte unser Troubleshooter sofort mit einem Lösungsvorschlag aufwarten.

Hier der Lösungsvorschlag

  1. Aussetzen des Beiboot.
  2. Man legt eine Bucht einer schweren Trosse (Fangleine) um die Ankerkette und lässt diese bis zum Kreuzgelenk des unklaren Ankers fallen. Da der Stock, bei Anker kurzstag, fast senkrecht nach oben schaut müsste dies mit etwas Geduld geling

 

 
 

      3.   Kette des Ankers fieren bis der Anker wieder auf Grund zu liegen kommt.
      4.  Mit dem Beiboot (entgegen der Zugrichtung) den Anker, mit flachem Zug, unter dem Kabel (Kette, Grund) herausziehen.

 

Unsere Hotlinenummer ++436642634945 ist jederzeit für Anrufe unserer Mitglieder erreichbar. Wir versuchen Problemlösungen anzubieten oder Hilfe zu organisieren. Ruft uns ohne Bedenken an!

 

Seemannschaft:                                                                                                               von Skippi GÜ / Referat 2

ANKERN Teil 2

 

Jeder hat es schon gehört, aber kaum einer hat es schon gemacht. Dabei ist es sehr einfach, und bringt sehr viel. Die Rede ist vom VERMUREN und VERKATTEN des Ankers. Im FBR-Unterricht über Seemannschaft hat man zwar gehört wozu diese beiden Manöver gut sind, nach der Theorieprüfung hat man sie aber schon wieder vergessen.

Daher zur Erinnerung

VERMUREN Ist das Ausbringen eines Heckankers, welcher an der Kette des Hauptankers angeschäckelt wird, um bei Wind- oder Stromdrehung immer an einem Anker zu hängen. Nebenbei wird der Schwojradius verringert.

 

Wie also wird VERMURT:

Wir fahren das Manöver, wie ein normales Ankermanöver. Bedenken muß man nur, daß man die 6-10 fache Wassertiefe Kette stecken muß.

Das bedeutet dass bei einer Jacht mit 50Meter Kette, die Wassertiefe zwischen 5 und 8Meter sein muß.

Hält der Hauptanker, lassen wir den Rückwärtsgang eingelegt und geben soviel Gas, dass das Schiff im Wind verbleibt

 

 

 

Auf Charterjachten haben wir meistens einen Heckanker mit 5-10Meter Kettenvorlauf. Das bedeutet, dass wir die Kette mit einer Leine (Festmacher) verbinden müssen. Die Länge der Leine Richtet sich nach der Wassertiefe. Die Faustformel für Leinen = 5-7 fache Wassertiefe.

Vor dem Fallen des Heckankers sollte die Leine durch eine Klüse am Heck geführt und auf einer Winsch belegt sein. Auch beim Heckanker gilt, nicht das ganze „Packel“ auf einmal hinunter sonder je nach Wassertiefe nachstecken. Das Schiff wird jetzt mit der Ankerwinsch nach vorne zum Hauptanker verhohlt bis die 3-5fache Kettenlänge erreicht wird ( Leerlauf einlegen und Drehzahl zur Batterieladung erhöhen). Jetzt den Heckanker mit der Winsch festfahren.

 

 

 

Die Leine des Heckankers von der Winsch und aus der Klüse nehmen, und außerhalb der Relingsstützen zum Vorschiff bringen. Außerhalb des Bugkorbes die möglichst durchgesetzte Leine an die Kette des Hauptankers Anschäckeln. Der Rest der Leine verbleibt an Deck. Dann die Kette 2-3Meter (abhängig vom Tiefgang des Schiffes) fallen lassen. Der Grund dafür ist, dass die Kette nicht am Kiel schert. Danach die  lose Leine am Vorschiff auf einer Klampe belegen. Ankerspiel entlasten - FERTIG

 

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 Keine Hexerei dieses Manöver. Nachdem wir den Hauptanker mit der Ankerwinsch und den Heckanker meistens mit der Genuawinsch bedienen, auch keine schweißtreibende Angelegenheit.

Behauptungen, das Ausbringen eines Heckankers erfüllt denselben Zweck, sind falsch. Ein am Heck belegter Heckanker verringert nur den Schwojradius, und hilft nur bei Wind von Vorne oder von Achtern. Bei Seitenwind kann das Schiff nicht schwojen und wird daher einen der beiden Anker ausbrechen. Warum also nicht gleich Vermuren?

 

Die Verringerung des Schwojradius ist ein angenehmer Nebeneffekt, kann in engen Ankerbuchten aber auch manchmal das Hauptargument zum Vermuren sein

Ein Tip noch zum Lichten des Heckankers.

Die Leine des Heckankers vom Hauptanker abschäckeln und wieder durch eine Klüse auf der Genuawinsch belegen. Dann mit eingelegtem Rückwärtsgang unter Fieren der Kette des Hauptankers zu dem Platz verhohlen, wo der Heckanker vermutlich liegt. Wenn die Leine des Heckankers kurzstag ist, einfach mit der Winsch ausbrechen. Durch die rechtwinkelige Zugrichtung der Leine zum Meeresgrund bricht der Anker meistens leicht aus.

 

Den nächsten Beitrag des Referats 2 zu unserer Clubzeitung möchte ich dem Verkatten und dem Ankerlichten widmen. Bis dahin Mast und Schotbruch wünscht Euch

Skippi GÜ